Beim Singkreis zählen Gemeinschaft und Lebensfreude – nicht die perfekte Stimme.
„Wie schön, dass du da bist!“ Herzlich und mit einer festen Umarmung wird jeder einzelne Teilnehmer des Singkreises an der Tür des ZWAR-Begegnungszentrums von Fine Anders begrüßt. Die Leiterin freut sich sichtlich über jeden, der einmal im Monat mit ihr zusammen singt. Den perfekten Ton zu treffen, steht dabei nicht im Mittelpunkt.
„Wir sind kein Chor“, betont Fine Anders. „Das sage ich neuen Sängerinnen und Sängern bei ihrem ersten Schnupperbesuch gleich zu Beginn. Wir singen keine Tonlagen, wir singen einfach – ohne hohen Anspruch, aber mit viel Freude im Herzen.“
An jedem ersten Mittwoch im Monat treffen sich Männer und Frauen an der Steinhammerstraße, um das gemeinsame Singen zu genießen. „Die Idee kam mir bei der Sitzgymnastik – einem Kurs, den ich auch hier im ZWAR-Haus anbiete“, erinnert sich Fine Anders. „Für mich ist es in jedem Kurs wichtig, dass wir Körper, Geist und Seele im Blick haben. Und deswegen habe ich auch bei der Sitzgymnastik gesungen. Aber die Teilnehmenden wollten nicht singen, weil sie es angeblich nicht können. Aber Singen tut so gut, deswegen habe ich den Singkreis ins Leben gerufen.“
Singen hilft an schlechten Tagen
„Ich kann gar nicht besonders gut singen“, sagen viele der Teilnehmenden auch heute noch von sich selbst. „Aber ich singe gerne. Es fühlt sich gut an und beruhigt. Wenn ich schlechte Tage habe, gehe ich gut gelaunt nach Hause, wenn ich hier gesungen und gepfiffen habe“, sagt Almuth. „Ich fühl mich anschließend freier und singe zu Hause noch weiter“, sagt Gudrun.
Auch die herzliche und fröhliche Atmosphäre zieht die Sängerinnen ins ZWAR-Haus. Oft bereitet Fine Anders den Raum mit Lichtern vor, bringt auf Wunsch neue Lieder mit und hat für alle ein offenes Ohr. „Es macht mir selbst so große Freude“, sagt sie strahlend.
Mit Atemübungen im Raum ankommen
Auch am ersten Mittwoch im August hat sie neue Lieder dabei. Aber bevor die Sängerinnen und Sänger „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ von Paul Kuhn anstimmen, sollen sie erst einmal im Raum ankommen – mit Körper, Geist und Seele. „Beim Einatmen lasst ihr den Daumen gestreckt und beim Ausatmen knickt ihr ihn ein. Das ist eine ganz tolle Übung, um ruhig zu werden, und so praktisch, weil ihr den Daumen immer dabeihabt“, sagt Fine Anders. Noch kurz zuvor herrschte Unruhe durch das Verteilen und Einheften der neuen Blätter. Doch diese einfache Übung verändert die Atmosphäre – im Raum wird es still.
Nach weiteren Aufwärmübungen mit Summen und Pfeifen kann es losgehen. „Was möchtet ihr singen?“, fragt Fine Anders in die Runde, das Handy in der Hand, um die passenden Lieder einzuspielen. Bei fast 100 Stücken, die sie im Laufe der Zeit auf Wunsch in den Ordnern zusammengetragen hat, fällt die Wahl nicht leicht. Es gibt bekannte deutsche Schlager wie „Über den Wolken“ und „Er gehört zu mir“, moderne Hits wie „Lieblingsmensch“ und „Regenbogenfarben“ sowie altes Liedgut.
Altes Liedgut aus der Kindheit
„Das stand in der Mundorgel“, erinnert sich eine Sängerin. Auch Teilnehmende, denen „Mit 66 Jahren“ von Udo Jürgens zu schnell war, stimmen bei diesen Klassikern ihrer Kindheit mit ein und blühen förmlich auf. Textsicher singen sie, kräftig ertönen die Stimmen, das Herz wird leicht. In welcher Tonlage sie singen? Das ist hier beim Singkreis nun wirklich egal.
Manchmal kommen 21, manchmal nur 6 Teilnehmer – aber das ist nicht wichtig. Das Angebot ist freiwillig, kosten- und zwanglos. Jeder darf jederzeit (wieder-)einsteigen. Der nächste Termin ist der 2. September von 11 bis 12.30 Uhr. Weitere Informationen gibt es bei Fine Anders, Tel. 0231 47667808, E-Mail: info@fine-anders.de.

Fine Anders leitet den Singkreis – mit viel Einsatz und Herzblut. (Foto: Jennifer Uhlenbruch
