130 Menschen informierten sich bei der Gründungsveranstaltung
„Netzwerke sind das A und O“, davon ist Besucherin Anja überzeugt. „Ob beim Sport, im Job – oder eben im Alter.“ Deswegen war die Gocherin zur Netzwerkgründungsveranstaltung ins Kastell gekommen, auch wenn sie noch ein paar Jahre bis zur Rente arbeiten muss. „Mich interessiert die Idee und ich möchte vorbereitet sein.“
Rund 130 Männer und Frauen aus Goch waren wie Anja der Einladung der Stadt in das Kultur- und Kongresszentrum Kastell gefolgt, um mehr über das neue Netzwerk zu erfahren, das in ihrer Stadt mit Unterstützung des GKV-Bündnisses für Gesundheit NRW und des ZWAR e. V. gegründet werden sollte.
Idee moderner denn je
Beraterin Ute Schünemann-Flake vom ZWAR e. V. erklärte den Interessierten zunächst die wichtigsten Säulen des ZWAR-Konzeptes, das seit mehr als 40 Jahren in 88 Kommunen derzeit erfolgreich gegen Einsamkeit und Langeweile im Alter wirkt. „Die Idee ist zwar alt, aber keine alte Kamelle, sondern heute moderner denn je. Denn heute gehen die Babyboomer in Rente. Sie wissen, was sie wollen und brauchen keine Anleitung dafür, wie sie im Alter ihr Leben gestalten wollen.“
Deswegen wird die Gocher Netzwerkbegleitung Alexandra Maywald auch keine Angebote machen. Die Beauftragte für Seniorinnen und Senioren der Stadt Goch wird nicht leiten, sondern die neuen ZWARlerinnen und ZWARler begleiten und unterstützen. „Sie sollen planen, was sie gemeinsam miteinander tun möchten, und wir sind gespannt, was sie so aushecken“, sagte Ute Schünemann-Flake zu den Besucherinnen und Besuchern.
ZWAR-Konzept als soziale Vorsorge
Dabei ist es wichtig, die Interessen nicht zu werten. „Mancher will einfach nur mit anderen zusammen wandern – je nach Fitnesslevel 15 Kilometer, 5 Kilometer oder einmal ums Auto herum – und ein anderer möchte etwas in seiner Stadt bewirken.“ Zum Beispiel sich für neue Fahrradständer vor dem Kastell einsetzen, wie eine Frau gleich bei ihrer Ankunft überlegte. Es geht darum, für die eigenen Interessen Gleichgesinnte zu finden, die vielleicht über die Jahre zu Freunden werden. „Soziale Vorsorge ist das Stichwort, denn Netzwerke fallen im hohen Alter nicht vom Himmel“, weiß Ute Schünemann-Flake.
In drei kleineren Gruppen richteten die Gocher den Blick auf ihre derzeitige Lebensphase und ihre Ideen für die Gestaltung des Ruhestands. „Die Kinder sind aus dem Haus, aber manchmal noch nicht aus dem Portemonnaie“, stellte sich Gertrud den anderen in ihrer Gruppe vor. „Ich bin seit sechs Jahren im Ruhestand, und mein Mann und ich sind eigentlich ganz gut organisiert, aber ich bin auch immer offen für Neues“, sagte die Gocherin. „Wir sind erst vor drei Monaten nach Goch gezogen und kennen kaum Leute. Wir möchten nicht zu Hause rumsitzen, sondern uns betätigen“, erklärte Klaus, warum er an diesem Abend gekommen war.
Ideen füllen das schwarze Loch
Auch vom mulmigen Gefühl, der Angst vor dem schwarzen Loch im Ruhestand, war die Rede. Ein Glück: Die Teilnehmenden entwickelten auch direkt Ideen, die das befürchtete Loch füllen könnten. Von Qigong über Federball bis hin zu Eisbaden, vom Buchclub über gemeinsame Museumsbesuche bis hin zum Erlernen neuer Musikinstrumente, von Handarbeit über einen Kochclub bis hin zu Kosmetik im Alter, von Müllsammeltagen über die Unterstützung von Ehrenamtsqualifikationen bis hin zu generationsübergreifenden Aktionen – die Gocher sprudelten vor Ideen und stellten diese anschließend engagiert im Plenum vor. Anschließend zückten viele ihre Handys und Terminkalender, denn bei den ersten Basisgruppentreffen soll es um die konkrete Umsetzung der Ideen gehen.
In Goch wird es zwei Basisgruppen geben. Die ZWAR-Gruppe Dorfhaus Hülm-Helsum trifft sich ab dem 18. Mai jeden dritten Montag im Monat jeweils von 18 bis 20 Uhr im Dorfhaus Hülm-Helsum, Hülmer Straße 238. Die ZWAR-Gruppe Pfälzer Heim trifft sich ab dem 1. Juni an jedem ersten Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Pfälzer Heim, Kirchstraße 105.
