Richtig reagieren bei Herzinfarkt und Schlaganfall

GKV-Projekt ermöglicht Erste-Hilfe-Kurs für Senioren

Man trifft einen Bekannten beim Einkaufen, unterhält sich nett – und plötzlich bricht der Gesprächspartner zusammen. Panik kommt auf und die Frage: Was muss ich jetzt tun? Was sind die ersten Schritte – und: Kann ich auch etwas falsch machen? Diese Hilflosigkeit zu überwinden, war ein Ziel der Mendener Seniorinnen und Senioren, die jetzt am Erste-Hilfe-Auffrischungstraining im Städtischen Seniorentreff teilnahmen.

Viele ZWARler aus dem Netzwerk in Lendringsen waren gekommen. Sie hatten sich den Kurs gewünscht, der im Rahmen des GKV-Projekts „Gesund in selbstorganisierten ZWAR-Nachbarschaftsnetzwerken (GisoN)“ in Kooperation mit der Stadt Menden, dem hiesigen Seniorentreff und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) angeboten wurde. Denn sie mussten schon einmal hautnah erleben, wie schnell man plötzlich zum Ersthelfer werden kann. „Wir waren mit unserer ZWAR-Gruppe zu einer Verkostung in einem Senfladen und da ist einer von uns zusammengeklappt“, erinnert sich Ursula an die Situation und auch an die Frage: Was machen wir jetzt? „Wir kommen jetzt in das prickelnde Alter und haben auch über 80-Jährige in der Gruppe. Ich will wissen, was zu tun ist, wenn was passiert, zum Beispiel bei einem Asthma-Anfall.“

Erste-Hilfe-Kurs ist Premiere

Viele Teilnehmer hatten ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs vor der Führerscheinprüfung – und manche noch nicht einmal da. „Ich habe mit 16 Jahren meinen Führerschein in Schlesien gemacht, vor 56 Jahren, da gab es das gar nicht. Jetzt habe ich zwei alte Nachbarn mit Vorerkrankungen und immer, wenn ich die sehe, denke ich: Wenn die mal Hilfe brauchen, dann steh ich da wie ein Depp“, teilte ein ZWARler seine Befürchtungen. „Die stabile Seitenlage – die bekomme ich nicht mehr hin“, gab ein anderer ehrlich zu.

Bevor diese jedoch zurück ins Bewusstsein geholt wurde, sensibilisierte Referent Tobias Dröge vom ASB die Teilnehmer zunächst für den Eigenschutz, der nicht nur vor der Ersten Hilfe nach einem Autounfall zu beachten sei. „Kann ich wirklich gefahrlos sofort helfen, wenn sich jemand tief in den Finger geschnitten hat? Meiner eigenen Frau vielleicht, aber wenn ich die Person nicht kenne, weiß ich nicht, ob Krankheiten vorliegen. Ich brauche Handschuhe, sonst ist mein Eigenschutz nicht gewährleistet.“ Auch wenn jemand am Boden liegt und bewusstlos ist, sollte der Ersthelfer zuerst die Umgebung analysieren. „Was rieche, sehe oder höre ich?“ Hat der Mensch vielleicht ein Kabel in der Hand? „Dann erst einmal Strom abschalten, sonst liegen da gleich zwei Menschen.“

Auf Eigenschutz achten

Gibt es dann rechtliche Konsequenzen für Helfer (und Nicht-Helfer), wollten die Teilnehmer wissen. „Wenn ihr seht, dass ihr nicht helfen könnt, weil der Eigenschutz nicht gewährleistet ist, wählt sofort die 112. Und ihr müsst vor Ort bleiben, bis die Hilfe eintrifft. Dann seid ihr rechtlich auf der sicheren Seite“, sagte Tobias Dröge. „Dann können wir ja jetzt Feierabend machen“, rief ein ZWARler lachend.

Aber natürlich wollten die Teilnehmer noch mehr wissen. Wie sie richtig reagieren bei Herzinfarkt und Schlaganfall zum Beispiel. „Ihr könnt ja erst einmal nicht wissen, was vorliegt, wenn ein Mensch vor euch bewusstlos zusammenbricht – ob Schlaganfall, Herzinfarkt oder etwas anderes. Wichtig ist erst einmal: Atmet er noch?“ Wie man die Atmung überprüft, konnten die Teilnehmer im Rollenspiel praktisch üben und auch, wie man den Menschen – wenn er noch atmet – in die stabile Seitenlage bringt. An einer Puppe konnten sie die Herzdruckmassage ausprobieren und wie man einen Defibrillator benutzt, der im Stadtgebiet meist schnell greifbar ist. „Das ist ja gar nicht schwer. Das Gerät sagt einem ja jeden Schritt an“, waren die Teilnehmer erleichtert.

Personen im Umfeld ansprechen

Tobias Dröge ermutigte die Seniorinnen und Senioren auch, Personen im Umfeld direkt einzubeziehen. „Hey Sie, können Sie die 112 wählen? Und Sie, können Sie schon einmal zur Apotheke laufen und den Defibrillator holen? Und können Sie mir mal aus dem Verbandskasten im Auto die Schere holen, damit ich schon mal die Kleidung aufschneiden kann?“ Situation erkennen und aktiv werden. „Damit fängt Erste Hilfe an. Ist doch eigentlich ganz einfach, oder?“, sagt Tobias Dröge und weiß, dass jetzt nach dem Kurs einige potenzielle Ersthelfer mehr auf Mendens Straßen unterwegs sein werden.