Sicher auf den Beinen: Mit einfachen Übungen Stürzen vorbeugen

Viele praktische Tipps beim GKV-Workshop in Greven

Aus Neugier, für neue Trainingsreize oder weil die Ehefrau es für eine gute Idee hielt – die Gründe, warum die Grevener Seniorinnen und Senioren am Workshop „Sturzprävention“ im Sportzentrum Kroner Heide teilnahmen, waren vielfältig. Ihr gemeinsames Ziel: sicherer auf den eigenen Beinen stehen und Stürze möglichst verhindern oder im Ernstfall besser abfangen können.

„2023 kamen mehr als 20.000 Menschen in Deutschland durch einen Sturz zu Tode“, berichtete Simone Schleiter, die den Kurs leitete. Dieser wurde im Rahmen des GKV-Projekts „Gesund in selbstorganisierten ZWAR-Nachbarschaftsnetzwerken“ des ZWAR e. V. angeboten. Das Sturzrisiko steigt mit dem Alter deutlich an: Während laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts in der Altersgruppe der 65- bis 79-Jährigen rund 19 Prozent mindestens einmal im Jahr stürzen, ist es bei den über 80-Jährigen bereits ein Drittel. „Deswegen ist es ganz wichtig, frühzeitig das Gleichgewicht und die Muskulatur zu stärken“, betonte Schleiter, die für den SV Greven 2021 e. V. auch Rehasport-Kurse anbietet.

Beine tanzen über Hindernisse

Wie das mit einfachen Übungen gelingen kann, lernten die Seniorinnen und Senioren am Mittwoch. Im Stuhlkreis sitzend, hoben sie abwechselnd jeweils ein Bein an. „Lasst das Bein gestreckt, zieht die Fußspitze heran und lasst es über ein Hindernis tanzen – das kann ein hohes oder ein ganz kleines sein“, erklärte Schleiter. Für einige Teilnehmende war das herausfordernd. „Aber wenn ihr das jeden Tag macht, fällt euch das Weihnachten nicht mehr schwer“, motivierte sie die Gruppe.

Auch das richtige Aufstehen vom Stuhl stand auf dem Programm: ohne X-Beine, mit einem festen Stand und ohne den Körperschwerpunkt zu weit nach vorn zu verlagern. „Diese Übungen kosten kein Geld, nur Zeit und Motivation – und davon haben wir in der Regel am wenigsten. Aber ihr könnt die Übungen auch beim Tatortgucken machen, ganz egal“, ermunterte die Kursleiterin die Teilnehmenden, ihren inneren Schweinehund zu überwinden.

Gleichgewicht wird trainiert

Um ihr Gleichgewicht weiter zu trainieren, stellten die Seniorinnen und Senioren beim Aufstehen vom Stuhl die Füße voreinander, übten große Ausfallschritte, schlossen im Stehen die Augen. Für Christa war das Gleichgewichtstraining besonders wichtig. „Ich habe damit Schwierigkeiten, bin schon mal auf ebener Fläche einfach gestürzt und habe mir die Schulter gebrochen. Ich habe Probleme, auf einem Bein zu stehen“, erzählte sie.

Auch für diese Herausforderung hatte Simone Schleiter passende Übungen vorbereitet. Nannte sie eine einstellige Zahl, sollten die Teilnehmenden das rechte Bein nach vorn führen, bei einer zweistelligen Zahl nach hinten und bei einer dreistelligen zur Seite. Bei ungeraden Zahlen war die linke Seite an der Reihe. Auf schnelle, spontane Zurufe hin mussten die Teilnehmenden die Beine wechseln, während sie auf der Stelle marschierten. „Das könnt ihr wunderbar zu Hause zu zweit machen. Das schult das Gleichgewicht in der Bewegung“, erklärte Schleiter.

Gleichgewicht halten beim Busfahren und Staubsaugen

Das aktive Gleichgewicht sei viel wichtiger als das passive, das man beim berühmten Zähneputzen auf einem Bein übe, erklärte Simone Schleiter. „Denn das ist das, was wir im Alltag brauchen: beim Busfahren, beim Staubsaugen oder beim Treppensteigen.“

Mit vielen praktischen Übungen wissen die Teilnehmenden nun, wie sie ihre Muskulatur und ihr Gleichgewicht gezielt stärken können – für mehr Sicherheit im Alltag und weniger Stürze im Alter.

Senioren hält Bein hoch

Simone Schleiter zeigt, wie das Bein über Hindernisse tanzen soll. (Foto: Jennifer Uhlenbruch)